Arbeitsfeld Qualifikation

(c) Gerd Altmann - Pixelio.de

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Rahmenempfehlung zu einem Curriculum "Fachweiterbildung Notfallpflege"

Kurze Einleitung: Warum nur eine Rahmenempfehlung?

Die Fachgruppe hat im Laufe der Diskussion zu einer Fachweiterbildung die Erkenntnis gewonnen, dass die detaillierte Ausgestaltung eines Curriclums in der Verantwortung eines jeden Schulungszentrums liegt und auch künftig bleiben muss. Das Schulungszentrum trägt die pädagogische und wirtschaftliche Verantwortung für die Korrektheit einer Bildungsmaßnahme und drückt dies in den Inhalten seiner Curricula aus. Daher kann die Fachgruppe in ihrer Rolle als Interessensvertreter aller Pflegenden in der Notfallversorgung nur eine Empfehlung zum organisatorischen und inhaltlichen Rahmen aussprechen. Nur eine Fachweiterbildung, die sich an diese Rahmenempfehlung hält wird die Zustimmung der DGF-Fachgruppe Notfallpflege (und damit der DGF e.V.) bekommen.

Ausgangssituation:

Die aktuelle Dynamik im deutschen Gesundheits- und Sozialsystem führt zu grundlegenden Strukturveränderungen. Demographische und epidemiologische Trends, die sich verändernde Rolle und Erwartungshaltung der Nutzer des Gesundheits- und Sozialsystems und nicht zuletzt eine zunehmende Ökonomisierung prägen die aktuelle Versorgungssituation. Diese Entwicklung ist auch in den Notaufnahmen erkennbar. Die Abteilungen sind für die Kliniken von hoher Bedeutung. Gefordert wird ein breites Maß an Leistungsfähigkeit und Versorgungsqualität. Durch zunehmende Patientenzahlen, dadurch hervorgerufene Leistungsverdichtung, aber auch durch rasante medizinisch- technische Veränderungen ist das Personal vielfältig gefordert. Im Zuge struktureller und organisatorischer Veränderungen der Abteilungen in Zentrale und Interdisziplinäre Notaufnahmen ist eine umfangreiche Erweiterung des Leistungsspektrums des Pflegepersonals erforderlich.

Eine Aufgabe der Krankenhäuser sowie der jeweils eingesetzten Führungs- und Pflegekräfte der genannten Abteilungen ist es, dafür Sorge zu tragen, dass Ressourcen optimal am Patienten eingesetzt werden. Dazu sind auch spezifische Maßnahmen der Personalentwicklung in der Notfallpflege  notwendig. Diese Maßnahmen müssen gezielt eingesetzt und nachhaltig angewandt werden. Neue Anforderungsprofile mit den erforderlichen Kompetenzbeschreibungen für Pflegende in Notaufnahmen sind erforderlich um die Herausforderungen in der notwendigen Qualität zu bewältigen. Insbesondere im Kernbereich einer Notaufnahme, der Akutversorgung von Notfallpatienten sind aufgrund der Anforderungen umfangreiche Kompetenzen erforderlich.

Zielstellungen:

Mit einer Beschreibung der Rahmenbedingungen für eine Fachweiterbildung Notfallpflege ist das Ziel verbunden, dass solche Fachweiterbildungen so ausgestaltet werden können, dass die Pflegenden für die komplexen Problemstellungen der beruflichen Praxis in Notaufnahmen weiter qualifiziert und die Grundausbildung fachspezifisch vertieft werden. Wissen soll so erweitert werden, dass der Weiterbildungsteilnehmer die verschiedenen Aspekte und Dimensionen des Wissens nicht nur unterscheiden kann, sondern auch in der Lage ist, zu reflektieren und Fachwissen in die Praxis zu transferieren. Dabei ist es erforderlich, bereits erlangte Abschlüsse und Qualifikationen einzubinden, die spezifischen Kompetenzen in der Notfallpflege zu ergänzen und sich in die europäische Entwicklung zu integrieren. Die Weiterbildung zur Fachpflegenden in Notaufnahmen soll den Qualitätsausbau und die Qualitätssicherung in der klinischen Notfallversorgung unterstützen. In Abgrenzung zu der in den Abteilungen notwendigen Basisqualifikation, sollen die Fachpflegenden als Partner des Arztes breite spezifische Kompetenzen erlangen.

Schulungszentren und weitere Interessierte erhalten durch die aufgeführte Beschreibung der Rahmenbedingungen für eine Fachweiterbildung Notfallpflege konkrete Hinweise und eine fachbezogene Unterstützung, u.a. zur nachfolgenden curricularen Entwicklung.

Konzept/ Rahmeninhalte:       

Eine Weiterbildung wird als die Fortsetzung oder Wiederaufnahme des organisierten Lernens nach Beendigung einer ersten Ausbildungsphase beschrieben. Sie gliedert sich in Lernbereiche und orientiert sich an den beruflich zu übernehmenden Aufgaben der Teilnehmer. Die zugeordneten Kompetenzen und Kompetenzniveaus führen nach einer erfolgreich absolvierten Bildungsmaßnahme zu erweiterter beruflicher Handlungsfähigkeit. Die Inhalte des europäischen und des deutschen Qualifikationsrahmens (EQR/DQR) und dabei insbesondere die erforderlichen Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen sowie die ergebnisorientierte Umsetzung der formulierten Inhalte der Weiterbildung zur/zum Fachpflegenden in Notaufnahmen werden beachtet. Einzelpersonen und Gruppen im jeweiligen Spezialgebiet werden befähigt, als Spezialisten in den verschiedenen Settings die Gesundheitsziele in größtmöglicher Selbstständigkeit zu erreichen.

Es werden nachfolgend die erforderlichen Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen (auch personelle Kompetenz) beschrieben:

Fachkompetenz

  • Patientenbeobachtung
  • Spezielle Grund- und Behandlungspflege bei Notfallpatienten
  • Ganzheitliche Betrachtung des Patienten/ Patientengruppen
  • Pathophysiologie
  • Symptombezogene Akutversorgung allgemeiner und komplexer Krankheitsbilder
  • Kenntnis und Handeln im Sinne der Prävention und spezifischer Prophylaxen
  • Kenntnis von und handeln nach Leitlinien/ Standards
  • Qualifizierte Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit
  • Maßnahmen der Hygiene
  • Pharmakologie
  • Katastrophenmanagement
  • Rechtliche Grundlagen des Handelns in der Notaufnahme
  • Evidenzbasiertes Handeln

Methodenkompetenz

  • Steuerung und Organisation von Prozessen
  • Erkennen von und handeln nach Prioritäten
  • Arbeiten im interprofessionellen/ interdisziplinären Team
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Qualitäts- und Risikomanagement
  • Kenntnis von und handeln gemäß ökonomischer Anforderungen
  • Pädagogische und didaktische Methoden
  • Wissenschaftliches Arbeiten
  • Projektmanagement

Sozialkompetenz

  • Emphatische Grundhaltung zum Patienten/ zu Begleitpersonen
  • Kommunikation und Techniken
  • Kenntnis von und handeln nach ethischen Grundsätzen
  • Kenntnis und Beachtung der soziokulturellen Situation
  • Professionelles Berufsverständnis
  • Interprofessionelle Teamarbeit
  • Schnittstellenkompetenz
  • Verarbeitungstechniken

Selbstkompetenz

  • Erkennen komplexer Problemstellungen/ finden von Lösungswegen
  • Stressmanagement/ erkennen eigener Grenzen
  • Reflektionsfähigkeit
  • Selbstsorge/ Resilienz
  • Hilfe leisten und annehmen können
  • Haltung und Wertegefüge

Praktische Weiterbildungsinhalte

Die praktische Weiterbildung soll dem Teilnehmer ermöglichen, Erfahrungen aufzunehmen und erweiterte Kompetenzen zu erreichen. Die praktische Weiterbildung ist durch eine qualifizierte Praxisanleitung der Gesundheitsfachberufe zu begleiten. Einsätze sind in folgenden Bereichen vorgesehen (fett Gedrucktes ist zwingend erforderlich):

Fachbereich

Erforderlicher Status

Beim Arbeitgeber

Extern

Trauma

Überregionales bzw. regionales Traumazentrum

x

optional

Pädiatrie

 

x

optional

Chestpain-Unit bzw. Kardiologie/LHK

 

x

optional

Stroke-Unit

 

x

optional

Intensivstation

 

x

optional

IMC- Station

 

x

optional

Anästhesie/ OP

 

x

optional

Akutpsychiatrie

 

x

optional

Endoskopie

 

x

optional

Geriatrie

 

x

optional

Rettungsdienst

 

 

x

Notaufnahme

Maximal- bzw. Schwerpunktversorgendes Klinikum

 

x

Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst

 

wenn Kooperation vorhanden

optional

Struktur der Weiterbildung

  • Mindestens 720h theoretischer Unterricht (bis zu 25% Anteile eLearning bzw. Blended Learning möglich- nach individueller Festlegung der Weiterbildungseinrichtung)
  • Mindestens 1800 Stunden praktische Weiterbildung (obligatorische/optionale Anteile); Betreuung durch mit 200 Stundenkurs dazu qualifizierter Praxisanleitung
  • Module mit Zwischenprüfungen und festgelegten Credit Points
  • Zeitdauer bis zu 4 Jahren (ermöglicht Integration von Teilzeitkräften)

(Die Umsetzung soll in einer modularisierten Struktur mit Integration anerkannter Komplettkurse zur qualifizierten Ersteinschätzung, zur Schockraumversorgung Polytrauma, für die Anlage immobilisierender Verbände u.a. Kompetenzen erfolgen)

Zulassung und Abschluss

  • Gesundheits- und Krankenpflege; bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpflege; sowie Bachelorabschlüsse mit mind. 6 Monate Berufserfahrung in der Notaufnahme, Anästhesie- oder Intensivbereich
  • Für weitere Bewerber wird vor Beginn der Qualifizierung ein Pretest zu Vorkenntnissen und Eignung empfohlen

Übersicht Zulassung und Abschluss

 

Zulassung

Umfang

Abschluss

3- jährig GuK/ GuKik

komplett

Fachpflegekraft Notfallpflege (Credit Points anrechenbar Bachelorabschluss)

3- jährig GuK/ GuKik mit Abschluss einer Fach- WB mit staatl. Anerkennung bzw. nach den Empfehlungen DKG

Absolvierung ergänzender Module zur Erlangung der Kompetenzen Notfallpflege

Fachpflegekraft Notfallpflege (Credit Points anrechenbar Bachelorabschluss)

Bachelor of Nursing (ANP o.ä. Studienabschlüsse)

Prüfung der abgeschlossenen Vorkenntnisse und Absolvierung ergänzender Module der Notfallpflege

Fachpflegekraft Notfallpflege bzw. nach Erreichen Credit Points BA mit Schwerpunkt Notfallpflege

3- jährig GuK/ GuKik mit WB zum Thema Notaufnahme ohne staatl. Anerkennung bzw. ohne komplette Struktur nach den Empfehlungen DKG

Prüfung der abgeschlossenen Vorkenntnisse und Zeitumfang der erreichten Fachkompetenzen; Absolvierung der ergänzenden Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Fachpflegekraft Notfallpflege (Credit Points anrechenbar Bachelorabschluss)

 Übersicht Zulassung und Zertifikatserlangung

 

Zulassung

Umfang

Zertifikat

MFA

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

Rettungssanitäter

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

Rettungsassistent

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

Notfallsanitäter

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

3- jährig Altenpfleger

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

OTA

Komplett oder auch die Absolvierung einzelner Themen bzw. Module der  WB Notfallpflege

Zertifikat zum erfolgreichen Abschluss der jeweiligen Themen oder Module

Ausblick

Das Tätigkeitsfeld der Pflegenden in Notaufnahmen ist sehr vielfältig und erfordert in Teilbereichen spezifische Kompetenzen. Die vorhandenen Qualifikationsstrukturen in den Abteilungen sowie die vorhandenen Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung sind bisher sehr heterogen. Eine strukturierte und ergebnisorientierte Durchführung der spezifischen Fachweiterbildung für Fachpflegende ist in dem Subsektor Notaufnahme erforderlich. Formulierte Kompetenzerwartungen und deren qualitätsorientierte Verteilungen innerhalb der klinischen Notfallversorgung, sollten entsprechend des gesetzlichen Versorgungsauftrages der Kliniken Umsetzung finden. Die Weiterbildung ,,Fachpflegende/ Fachpflegender in Notaufnahmen‘‘ ist unter Berücksichtigung aktueller gesetzlicher Aus- und Weiterbildungsbestimmungen kontinuierlich weiter zu entwickeln und sollte durch bildungswissenschaftliche Forschung begleitet werden.

 

Erstellt: Fachgruppe Notfallpflege DGF, Cottbus und Hamburg, den 24.07.2014

 

Freigegeben durch den Vorstand der DGF, Berlin und Münster, den 29.09.2014

 

Verfasser (in alphabetischer Reihenfolge): Valentin Alvarez, Günter Bröcker, Bernd von Contzen, Peter Frickhöffer, Procula Glien, Roland Göpfert, Thorsten Heuwer, Tobias Hoffmann, Jörg Hoymann, Jörg Krey, Mareike Lohbreier, Peter Niebuhr, Alexander Ramelow, Thomas Richter, Andrea Stewig-Nitschke, Stefan Wollschläger

 

Angehängt steht das vollständige Dokument zum Download zur Verfügung.

 

Hier geht es zur Darstellung der ersten Schritte zur Entwicklung der Rahmenempfehlung auf der ersten Konferenz am 5.12.2012.

 

 

 

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